Sunday, 14 April 2024

Liebesgedichte

Liebesgedichte

Nichts lässt uns so empfänglich und verletzbar zugleich werden wie die Liebe. Alle Liebesgedichte bezeugen: Am Anfang bewegt uns der innige Wunsch, die „Nähe des Geliebten“ (Goethe) auszukosten, ihn nie wieder zu missen. Ihn denken, hören, sehen und vermissen – wer liebt, der fühlt sich dem anderen auch über weite Entfernungen verbunden. Der wünscht zu geben, so sehr, dass er einer Art „Liebesneid“ (Seidl) verfallen kann, der sich auf alles erstreckt, was den fernen Geliebten berührt. Die Geliebte zur „Schuldnerin“ werden lassen, mit ihr in Einklang sich „wölben und bewegen“ (C. F. Meyer) – das ist der ewige Wunsch der Liebenden.

Liebesgedichte: Liebesschmerz und Liebeskummer

Und so wundert es nicht, dass die Zurückweisung unseres Liebeswunsches, dass Trennung und Zwang zur Geheimhaltung tiefe Wunden hinterlassen. „Mit nassem Blick“ (Goethe) dem Geliebten nachschauen, mit dem wir uns eben noch vereint sahen – jeder, der nicht offen zu seiner Liebe stehen darf, wird sich in dieser Ambivalenz aus Liebesglück und Liebesschmerz wiederfinden. Mindestens ebenso schlimm leidet, wessen Liebe keine Erfüllung findet. Appetitlosigkeit, Schmerzen, das Gefühl tiefer Trostlosigkeit bis hin zu Depressionen und Suizidabsichten: Bürgers Gedicht „Der Liebeskranke“ mag manchen übertrieben scheinen, gibt aber tatsächlich angemessen wieder, was tagtäglich Menschen erleiden, deren Liebe zurückgewiesen wurde. Das „Herz steht leer“ (Dauthendey), die Sehnsucht zehrt uns auf.

Liebesgedichte: Trennung und Verlust

Nicht nur die unerfüllte, zurückgewiesene Liebe, auch die Trennung von Ehe und Partnerschaft erfüllen uns mit Kummer. Obwohl im „Tiefsten ganz verwebt“ (Morgenstern) ist eine Kluft entstanden, die unüberwindbar scheint: „Ich stehe einsam hier, du einsam dort.“ Betrogen fühlt sich dann, wer an die ewige Liebe glaubte. Mit gebrochenem Herzen bleibt zurück, wem der Partner fühllos „Lebewohl“ (Mörike) sagte. Und bittere Tränen vergießt, wer tatsächlich belogen wurde: „Laß ab, mein Herz, laß ab!“ (von Platen) – ach, würde ein einfaches Wollen den Schmerz zum Stillstand bewegen!

Liebesgedichte: Hass oder Freundschaft?

Das Ende der Liebe führt oft zum gegenteiligen Gefühl, zu Hass und Verbitterung. Selbst wenn wir bereit sind, zu vergeben, der Schmerz, die Erinnerung ist unerbittlich, „wie eine Kröte“ (Arno Holz) hockt er da, entlässt uns nicht aus Kummer und Leid. Doch Hassen bedeutet, sich den „Tod ins Herz“ zu ziehen (Gleim). Kann stattdessen Freundschaft aus Liebe werden? Brannte einst „jede Pore“ vor Liebe, so ist dies nur möglich, wenn beide Ex-Partner dies aufrichtig wünschen. Denn nicht der Hass leitet das Ende der Liebe ein, sondern „sich endlich wieder zu dir neigen und sagen können: ‚Freund’“ (Dauthendey).

Liebesgedichte: Eine neue Liebe wagen

Es braucht Zeit und es braucht Mut, nach einer Enttäuschung eine neue Liebe zu wagen. Wer einmal „von mitleidlosem Fuß zerstampft ward“ (Bierbaum), dem gehen die Worte „ich liebe dich“ nur schwer von den Lippen. Doch die „Liebe hört nimmer auf“ (Seidel). Kein Menschenherz ist so versunken, dass in ihm nicht noch ein Funke des ewigen Feuers vorhanden wäre. Ein Funke, der wie der Blitz eine neue Liebe (Hebbel) entfacht. Und plötzlich fangen wir wieder an zu leben, der Kreis schließt sich, das Spiel beginnt erneut.

An welchem Punkt Sie auch stehen, lassen Sie sich von der Poesie berühren, inspirieren, versöhnen und trösten. Im Folgenden haben wir eine Auswahl berühmter Liebesgedichte für Sie zusammengestellt. Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

Ihr Astrosms.de-Team

Nähe des Geliebten
Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh’ ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!

Johann Wolfgang von Goethe

Liebesneid
Die Luft beneid’ ich, die mit lauen Wellen
Um deiner Locken braune Blüte spielt;
Dem Boden neid’ ich die betretnen Stellen,
Der Lippe selbst den Seufzer, der sie kühlt.
Gedenk’ ich erst des Bades, erst des Kleides,
Und dessen, was sie wagen ungestraft;
Dann faß’ ich kaum die herbe Qual des Neides,
Die heiße Selbstsucht meiner Leidenschaft.
Und doch, kein Eifern ist es, was ich leide: –
Nur huld’gen möcht’ ich dir, und weiß nicht wie;
Ich eifre nicht mit Luft und Bad und Kleide,
Ich fühle mich nur weniger, als sie.
Was Aug’, Hand, Fuß und Lippe dir verlangen,
Was du bedarfst für Herz, Verstand und Sinn,
Von mir nur, wünsch’ ich, sollst du es empfangen,
In Allem will ich dich zur Schuldnerin!

Johann Gabriel Seidl

Zwei Segel
Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!
Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.
Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
Verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.

Conrad Ferdinand Meyer

Willkommen und Abschied
Es schlug mein Herz. Geschwind, zu Pferde!
Und fort, wild wie ein Held zur Schlacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht.
Schon stund im Nebelkleid die Eiche
Wie ein getürmter Riese da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah schläfrig aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr.
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch tausendfacher war mein Mut,
Mein Geist war ein verzehrend Feuer,
Mein ganzes Herz zerfloß in Glut.

Ich sah dich, und die milde Freude
Floß aus dem süßen Blick auf mich.
Ganz war mein Herz an deiner Seite,
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Lag auf dem lieblichen Gesicht
Und Zärtlichkeit für mich, ihr Götter,
Ich hofft’ es, ich verdient’ es nicht.

Der Abschied, wie bedrängt, wie trübe!
Aus deinen Blicken sprach dein Herz.
In deinen Küssen welche Liebe,
O welche Wonne, welcher Schmerz!
Du gingst, ich stund und sah zur Erden
Und sah dir nach mit nassem Blick.
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden,
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

Johann Wolfgang von Goethe

Der Liebeskranke
Mir thut’s so weh im Herzen!
Ich bin so matt und krank!
Ich schlafe nicht vor Schmerzen,
Mag Speise nicht und Trank;
Seh’ Alles sich entfärben,
Was schön war rundumher.
Nichts, Molly, als zu sterben,
Nichts, Liebchen, wünsch’ ich mehr.

Zwar könnte noch mich laben
Ein Kelch, der mir behagt;
Allein die Götter haben
Ihn meinem Durst versagt.
Wol fleh’ ich, ihn zu stillen,
Vergebens dich und sie;
Denn tränk’ ich auch nach Willen,
Ich stillt’ ihn doch wol nie.

Drum laß mich vor den Wehen
Der ungestillten Lust
Zerschmelzen und vergehen,
Vergehn an deiner Brust!
Aus deinem süßen Munde
Laß saugen süßen Tod!
Denn, Herzchen, ich gesunde
Sonst nie von meiner Noth.

Gottfried August Bürger

Mein Herz steht leer
Der graue Tag
Legt seine Wolken an meine Brust,
Mein Herz steht leer.
Mein Herz ist dunkel und wolkenschwer,
Ich habe so lange nicht mehr geküsst,
Ich küsse so gerne.
Lippen und Seele warten auf dich,
Du Herz der Ferne.

Max Dauthendey

An * *
Da steht man nun in fremder Stadt allein
mit dem, was man gefehlt und man getan,
und den man liebt, der will nicht bei dir sein
und wandelt eigenwillig eigne Bahn.
Und einer Liebe wunderreicher Hort
bleibt unerschöpft und ewig unerlebt;
ich stehe einsam hier, du einsam dort,
und sind im Tiefsten doch so ganz verwebt.

Christian Morgenstern

Lebewohl
„Lebe wohl“ – Du fühlest nicht,
Was es heißt, dies Wort der Schmerzen;
Mit getrostem Angesicht
Sagtest du’s und leichtem Herzen.

Lebe wohl! – Ach tausendmal
Hab’ ich mir es vorgesprochen,
Und in nimmersatter Qual
Mir das Herz damit gebrochen!

Eduard Mörike

Die Liebe hat gelogen
Die Liebe hat gelogen,
Die Sorge lastet schwer,
Betrogen, ach, betrogen
Hat alles mich umher!
Es rinnen heiße Tropfen
Die Wange stets herab,
Laß ab, laß ab zu klopfen,
Laß ab, mein Herz, laß ab!

August von Platen

Schmerz
Vergeben? Ich? Dir?
Längst.
Ich tat’s, noch eh ich’s wußte.
Aber vergessen? Vergessen? … Ach, wenn ich’s könnte!

Oft,
mitten im hellsten Sonnenschein,
wenn ich fröhlich bin und “an nichts denke”,
plötzlich,
da,
grau hockt es vor mir,
… wie eine Kröte!

Und alles, alles scheint mir wieder schal. Schal und trostlos.
Das ganze Leben.

Und ich bin traurig. Traurig über dich … und mich.

Arno Holz

Lieben und Hassen
Hassen ist: In’s Herz den Tod
Mit dem Athem ziehen,
Sehn nur halb des Morgens Roth,
Halb der Blumen Blühen!
Lieben ist: Um sich herum
Gottes Welt verschönen,
Leben in Elysium
Unter Freudentönen;
Haben schon den Himmel hier,
Heiter sehn im Trüben!
Liebe Seele, wollen wir
Hassen oder Lieben?

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Die Liebe hört nimmer auf
Es ist kein Thal so wüst und leer,
Drin nicht ein Blümchen blühet,
Und keine Nacht so wolkenschwer,
Drin nicht ein Sternlein glühet.
Es ist kein Menschenherz so tief
Versenget und versunken,
Dass nicht in seiner Asche schlief;
Der ew’gen Liebe Funken!

Heinrich Seidel

Das Ende meiner großen Liebe
Und jede Pore, die einst für dich brannte,
Jeder Gedanke, der dich kosend nannte,
Muss sich in meinem Blute hassend wenden
Und statt der Süße — Galle nach dir senden.
Doch das ist nicht das Ende.
Das Ende ist, wenn meinen Händen,
Meinen Lippen, meinen Augen
Das schwere, lange Bluten endet,
Und sie nach langem fremdem Schweigen
Sich endlich wieder zu dir neigen
Und sagen können: “Freund”.
Dann ist das Ende meiner großen Liebe.

Max Dauthendey

Neue Liebe
O Blitz, der aus dem Tiefsten springt
Und mir durch jede Faser zuckt,
Der mich mit neuer Glut durchdringt,
Die sonst mein Innres still verschluckt;
Ich grüße dich viel tausendmal
Und frag’ nicht: bringst du mir Genuß?
Denn du befreist mich von der Qual,
Daß ich mich selber lieben muß.

Friedrich Hebbel

Du sagst, du liebst mich …
Du sagst, du liebst mich. Oh, ich danke dir!
Zwar kenn ich dieses Wort als Lüge nur,
Doch klingt es süß, wie liebliche Musik,
Und gerne glaubt man, was so lieblich klingt.
Ich will es glauben, und ich bitte dich:
Nimm diesen Glauben als Entgegnung an.
Mir selber will das Wort “Ich liebe dich”
Nicht mehr vom Herzen auf die Lippen gehn.
Dem Boden, der von mitleidlosem Fuß
Zerstampft ward, dem der Bosheit dürre Hand
Salz in die Furchen streute, wollen Rosen nicht
Entblühen, – blasse Nesseln bringt er nur.
So sieht mein Garten aus, – ein Nesselbeet.
Willst du ihn lieben? Wunder sind geschehn!
Die Liebe ist die beste Gärtnerin.

Otto Julius Bierbaum

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